Oh, Paris! Eine Stadt voller Inspirationen

Ich steige aus dem Zug, es ist ein warmer Sommerabend, der Himmel wolkenlos – Paris.

Zum ersten Mal in meinem Leben stehen meine Füße auf französischem Boden, ich atme den süßen Duft der Stadt der Liebe ein und langsam wieder aus. Paris, oh Paris, ich bin endlich da.

Neugierig und hoffnungsvoll schaue ich mich um, vielleicht erblicke ich ja den einen oder anderen Pariser mit einer roten Rose in der Hand, wartend auf mich, die Liebe meines Lebens. Doch alles, was ich wahrnehmen kann, ist eine große Masse an Menschen, die definitiv keine französischen Wurzeln haben. Deutsche Touristen überall, teilweise auch Familien aus der Schweiz oder Österreich, ein paar Engländer haben sich wohl auch hier verirrt. Aber wo sind die Franzosen?

Stadt voller Inspirationen

Ich begebe mich auf die Suche nach dem Hotel, das auf mich wartet, weil ich dort ein kleines Zimmer gebucht habe. Gar nicht so einfach, sich in so einer Riesenmetropole zurechtzufinden. Überall Hotspots, die ich unbedingt noch erkunden will – doch erstmal im Hotel anmelden, bevor sie mein heiß begehrtes Zimmer mitten in der City an jemand anderen vergeben!

Euphorisch schlendere ich durch die Straßen und sehe süße kleine Vintage-Shops, Feinkost-Supermärkte, eben alles, was das Pariser Herz so begehrt. Eine Stadt voller Inspirationen! Ob ich genug Zeit haben werde, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erforschen?

IMG_7196

Ich werde müde von all den Eindrücken, die mich hier erwarten. Dabei ist es noch nicht einmal dunkel. Mir fällt ein, dass ich heute unbedingt noch den Eiffelturm sehen muss! Und mein größter Wunsch: In einem idyllischen Café sitzen und mich von der typisch französischen Atmosphäre inspirieren lassen. Klingt romantisch, ist es auch, genau mein Fall.

Typisch französisch

Angekommen im Hotel, packe ich meine Sachen in den Schrank, ziehe mich schnell um und schaue auf mein Handy. Wie komme ich am besten zum Eiffelturm? Als ich in die Bahn einsteigen will, merke ich, dass unsere Nachbarn ein ganz schön cleveres Ticketsystem haben. Wer nämlich keins hat, kommt gar nicht erst durch die Schranken der Bahnhaltestelle hindurch. Die Kontrolleure lächeln mich an, während ich zum ersten Mal an einer echten französischen Schranke vorbeigehe. Wahnsinn, denke ich, und erinnere mich an all die französischen Romane, die ich gelesen habe.

 

IMG_7172#

Der Eiffelturm löst in mir leider wenig Begeisterung aus. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass es angefangen hat zu regnen, oder daran, dass im Minutentakt afrikanische Männer auf mich zukommen und mir Souvenirs verkaufen wollen – oder schlichtweg daran, dass der Eiffelturm so rein gar nichts Magisches an sich hat. Ein halbwegs großes, graues Metallgerüst. Ich blicke nach links und rechts, um vielleicht das eine oder andere glückliche Liebespaar zu sehen. Fehlanzeige. Eine übergewichtige Frau mit zwei Kindern stellt sich an, um den Eiffelturm hochfahren zu können. Sie brüllt ihre Tochter  auf Deutsch an, dass sie die Hand aus dem Mund nehmen soll. Die Kleine hört auf Mama – und beginnt, auf einer Haarsträhne rumzukauen.

 

 

Verzweifelt suchen meine Augen einen Fluchtweg, denn jetzt ist es auch doch kalt geworden, mal sehen, ob es hier auch diese schönen und teuren Touristencafés gibt.

Das Leben genießen in Paris

Ich fühle mich wieder pudelwohl, als ich den lieblichen Geschmack meines Crêpes auf der Zunge spüre. Es gibt kein vergleichbares Gefühl. Crêpes mit Nutella ist einfach konkurrenzlos die Nummer 1 auf meiner Dessertliste.

IMG_7194#

Ohne zu zögern bestelle ich einen Martini Bianco. Draußen regnet es jetzt in Strömen, die Menschen stürmen in die Cafés und Restaurants, stellen ihre durchnässten Regenschirme an der Tür ab und setzen sich erleichtert hin. Hier ist es warm. Wenn man ganz genau hinhört, kann man die leisen Saxophon-Klänge durch die Musikboxen wahrnehmen. Ich schließe die Augen. Kaum zu glauben, dass ich es tatsächlich hierher geschafft habe.

Als der Kellner kommt, um mir mein glänzendes Gläschen Martini zu bringen, teste ich noch meine übrig gebliebenen Französischkenntnisse. Er schmunzelt, aber scheint jedes meiner Worte zu verstehen. Ein hübscher Kerl. Pierre ist sein Name. Bevor er wieder hinter der Theke verschwindet, betont er, dass ich ja ganz gut Französisch spreche. Außer ein verlegenes „Merci“ kommt mir nichts über die Lippen. Oh, und mein schönstes Lächeln.

Ich nehme einen ersten Schluck vom Martini. Mir wird ganz warm ums Herz. Ich wünschte, meine Lieblingsautorin Lolita Pille würde jetzt durch die Tür reinkommen und sich zu mir setzen. Eine Wahnsinnsfrau. Meine größte Inspiration. Ich nehme einen zweiten Schluck.

Auf dich, Paris. Zum Wohl.